zwischen Einschlag und Kaffee zu leben.
Wir halten die Stadt mit Verlängerungskabeln und Sturheit am Laufen.
Mit Spenden, Generatoren und dreckigen Witzen.
Kiew weint nicht laut.
Es hat keine Zeit dafür.
Hier verschiebt man das Weinen auf später;
wie das Leben, wie den Schlaf, wie die Normalität.
Unsere Kinder rennen heute schneller in den Schutzraum,
als sie früher zu den Schaukeln liefen.
Und die Erwachsenen haben gelernt zu lächeln,
damit niemand sieht, wie innen etwas zerbricht.
Wir gehen zwischen Trümmern und Cafés.
Wir setzen die Stadt Stück für Stück zusammen, wie ein Puzzle.
Unsere Medizin ist Lachen in der Schlange nach Brot.
Und wenn der Strom ausfällt, fangen wir an, selbst zu leuchten.
Wir fragen nicht, wann das alles endet.
Wir fragen, wo wir uns heute treffen.
Die Zeitpläne der Raketenangriffe sind präziser geworden
als die Zeitpläne der Stromversorgung.
Und der Frühling wird kommen.
Er kommt immer. Noch nie haben wir hier
so sehr auf den Frühling gewartet.
Das hier (auszugsweise) veröffentliche Gedicht von Jurij Andrejew über das Leben zwischen Krieg und Eis in diesem Winter erschien diese Woche in der Süddeutschen Zeitung