Kochöfen aus Lehm in Nepal

In vielen Entwicklungsländern wird noch mit Holz am offenen Feuer gekocht. Durch den Bau von einfachen Öfen in Nepal halbieren wir den Holzverbrauch und ersparen mit jedem Ofen eine Tonne CO2 pro Jahr. Das ist gut für die Menschen und gut für die Umwelt. In diesem Projekt arbeiten wir mit den Ofenmachern zusammen. Im Jahr 2020 und im Jahr 2021 finanzierten wir den Bau von jeweils tausend Kochöfen in Nepal. Und auch für 2022 haben wir tausend weitere Kochöfen geplant.
Wo wurden die Kochöfen 2020 gebaut?

Arghakanchis Hauptstadt Sandikharka liegt 300 km südwestlich von Kathmandu entfernt. Eine Reise von 20 Stunden mit dem Fernbus. Nur das Zentrum ist städtisch, zum größtenteils hat die Stadt dörfliche Strukturen. Hier leben 200 000 Menschen in 45 000 Haushalten. Die meisten haben eine kleine Landwirtschaft, bauen Reis und Getreide an. Oft gibt es ein oder zwei Kühe, einige Ziegen und Hühner. In den letzten zehn Jahren sind 40 000 Menschen, meist junge Männer, in die Städte und ins Ausland abgewandert, um dort Arbeit zu suchen. Natürlich wirkt sich das negativ aus auf das Leben in den Dörfern: landwirtschaftliche Arbeit und Kochen muss von den Frauen erledigt werden. Hier wird mit Holz gekocht, meist auf offenen Feuern. (Foto oben links) 1.000 Tonnen CO2 Einsparung und 4.200 glückliche Hausfrauen

Der Ofenmacher eV hat nach entsprechenden Verhandlungen mit den örtlichen Behörden, vereinbart in dem Bezirk Lehmöfen zu bauen. Zwar wird auch dann weiter mit Feuerholz gekocht, aber viel ökonomischer, denn ein Lehmofen spart 50% des Feuerholzes ein. Und es wird gesünder gekocht: durch einen Schornstein werden die Rauchgase nach draußen geleitet. Durch die Reduzierung des Holzverbrauches spart jeder Ofen etwa eine Tonne CO2 jährlich ein. Im ländlichen Umland von Sandikharka wurden insgesamt mehr als 10 000 Lehmöfen eingebaut - davon wurden 1.000 Öfen durch eine 12.000 Euro Spende der Stiftunglife finanziert.

Mehrere Ofenbauer waren an dem Projekt beteiligt, meist Frauen, sie sind die besseren Ofenbauer. Aus eigener Erfahrung kennen sie die Vorteile. Der Ehemann wird überzeugt durch das Argument: Man kann viel Geld sparen, da man keinen Hustensaft und Augentropfen mehr kaufen muss. Mit umgerechnet zwei Euro beteiligt sich jede Familie an den entstehenden Kosten, bringt den Lehm herbei, Wasser, Kuhdung und eine Kiepe Reisschalen. Dann muss die Lehmmasse gestampft werden, um die Steine herzustellen. Die günstigste Stelle innerhalb des Küchenraumes wird gemeinsam festgelegt. Der Hausherr muss das Loch für den Schornsteindurchbruch in die Außenwand zu stemmen. Dann wird der Ofen gebaut. In vier Stunden ist der Lehmofen fertig (Foto oben rechts). Dann folgt die Unterweisung zur Nutzung und Pflege. Zum Schluss wird ein Übergabeprotokoll unterzeichnet und über der Haustür ein „Typenschild" angenagelt. Das Schild zeigt wer den Ofen gebaut hat, und der wievielte Ofen das ist. Nach einer Trocknungszeit von einigen Tagen kann angeheizt werden. Bericht 2020 von Christa Drigalla von den Ofenmachern

Wo wurden die Kochöfen 2021 gebaut?

Dolakhas Landschaft ist geprägt durch die Vorberge der Himalaya Kette. Die steilen Hügel werden z.T. landwirtschaftlich genutzt (Terrassen, Felder, Wirtschaft). Touristisch ist das Gebiet erschlossen und lädt zu Wanderungen in atemberaubendem Panorama ein. Bei den Einheimischen sind die Tempel Bimeshwor und Kalinchwok als Pilgerziele bekannt und beliebt.

In Dolakha arbeiten derzeit 8 einheimische OfenbauerInnen, die auch während der Pandemie in ihren Heimatdörfern aktiv waren. So war es möglich, dass im Jahr 2021 in dem Gebiet unter anderem 1000 von Stiftunglife finanzierte Öfen gebaut wurden. Vor Ort sind Koordinatoren eingesetzt, die die Kontakte zu den einzelnen Gemeinden und Behörden aufrecht halten und die die Logistik und den Materialtransport organisieren. Der Koordinator für Dolakha, Bel Dahadur Tamang, hält engen Kontakt zu den einzelnen Ofenbauern im Gebiet, eruiert den Bedarf in den verschiedenen Gemeinden, nimmt die Fertigmeldungen der Öfen entgegen und leitet sie weiter. Ein Schwerpunkt ist immer noch die Ausstattung von neu errichteten Bauernhäusern mit rauchfreien Kochstellen, weil diese im verheerenden Erdbeben 2015 zerstört wurden. Die Bewohner selbst, sowie die Politiker der unteren Gemeindeebene sind sehr interessiert an diesem Service und unterstützen das Projekt.

Für einen Ofen werden umgerechnet 12 Euro berechnet. Darin enthalten sind Kosten für Material und Transport, sowie administrative Kosten für die Informationshefte der Ofennutzer und das Monitoring der Öfen. Der Hauptanteil ist aber der Arbeitslohn für die OfenbauerInnen einschließlich deren Sozialversicherung. Es ist wichtig, die Arbeiter gut zu bezahlen, um die Motivation der Arbeiter sowie die Qualität der Öfen hochzuhalten. Neben den von den Spenden getragenen Kosten müssen die Hauseigentümer einen Beitrag von umgerechnet 2 Euro abgeben, damit der Wert des Ofens auch entsprechend geschätzt wird. Bericht 2021 von Christa Drigalla von den Ofenmachern